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INTERNETWAHN FÜHRT ZUR ISOLATION ALTER MENSCHEN

Die Kester-Haeusler-Stiftung München befasst sich im Institut Seniorenwissenschaften mit der Situation älterer Menschen in Deutschland. Von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt findet eine Isolation und Vereinsamung alter Menschen statt, die durch die Affinität vieler Unternehmen zu Internetpraktiken zurückzuführen ist.

Immer stärker werden die Bundesbürger aufgefordert, Anfragen an Krankenkassen, Banken, Behörden oder sonstigen Institutionen über Internet zu richten. Viele denken allerdings nicht daran, dass ein Großteil der alten Menschen insbesondere der älteren Menschen überhaupt keinen Zugang zum Internet haben. Wir erleben immer wieder Anfragen, dass sich die älteren Menschen immer wieder beschweren, dass sie überhaupt keinen Zugang mehr zu gewissen Informationen bekommen. Früher gab es Betriebsanleitungen in Form von Schriftstücken, die den Gegenständen beigefügt waren. Heute wird auf eine Internetseite hingewiesen oder auf eine DVD, die beigefügt wurde. Wir hatten gerade die Beschwerde eines älteren Menschen, der einen Unfallschaden an seinem Auto bei der gegnerischen Versicherung regulieren lassen wollte. Er erhielt als Antwort, schicken Sie uns bitten die gesamten Daten per Email. Wir haben keinen Schriftverkehr nach außen mehr.

Der Betroffene 82-jährige konnte allerdings mit dem Internet überhaupt nichts anfangen und fragte uns, wie er an sich überhaupt seinen Unfall melden kann. Die gleichen Anfragen erhielten wir von anderen Versicherungen, die ihre Kunden auf das Internet verweisen. Diese Praktiken werden immer stärker und werden immer mehr zur Isolierung älterer Menschen führen.

Gerade das Institut für Seniorenrecht befasst sich intensiv mit der immer größer werdenden Anzahl von Vermögensdelikten gegen alte Menschen, die alles auf dem Gebiet der neuen Technik haben. Je näher der persönliche Kontakt zu den einzelnen Beratern, wie Banken, Versicherungsgesellschaften oder Behörden durch den Verweis auf das Internet unterbrochen wird, desto stärker ist die Anfälligkeit für Betrügereien.

Die einzelnen Verträge mit den Unternehmen wurden auf der Basis einer normalen Kommunikationsmöglichkeit abgeschlossen und nicht über die Kommunikationsmöglichkeit des Internets.

Wir sind der Ansicht, dass die älteren Menschen einen Anspruch haben, dass in ihren Bereichen der Internetwahn ausgesetzt wird und entsprechende Abteilungen in den Behörden oder Versicherungen als Ansprechpartner für ältere Menschen geschaffen werden. Es geht nicht, dass durch Kosteneinsparungen innerhalb der Unternehmen die Kommunikationsmöglichkeit bei älteren Menschen auf Null reduziert wird. Dies schränkt die Möglichkeit der älteren Menschen, sich nach Außen zu äußern und Ansprüche geltend zu machen völlig ein. Die dadurch hervorgerufene Isolierung ist ein Problem, das leider bisher in der Öffentlichkeit und von den Journalisten völlig verkannt wurde.

Gerade der fehlende Schriftverkehr mit Banken beweist uns in vielen Erbschleicherfällen, die uns bekannt wurden, dass die Erbschleicher und Täter, die an das Vermögen älterer Menschen gelangen, viel einfacher Arbeiten können, als bisher. Bisher bekamen die älteren Menschen einen Kontoauszug zugeschickt. Viele Banken gehen dazu über, überhaupt keine schriftlichen Kontoauszüge mehr zu versenden und die Kunden auf die Möglichkeit des Internets oder Onlinebanking hinzuweisen. Dies ist eine der ganz erheblichen Ursachen für kriminelle Delikte im Bereich – rechtswidrige Abhebung von Geldern, die wir vielfach bei Hilfspersonen für alte Menschen feststellen können, aber auch für Erbschleicher, die sich vorher schon an dem Vermögen der älteren Menschen bedienen.

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie den Stiftungsvorstand Prof. Dr. Volker Thieler


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