Artikel unter 'Testamentsvollstreckung'

Testamentsvollstreckung auf Briefumschlag

Die Erblasserin hatte ein handschriftliches Testament verfasst. Des Weiteren hatte sie eine Testamentsvollstreckung angeordnet. Hierzu hatte sie auf einen Briefumschlag notiert, dass die Testamentsvollstreckung durch eine bestimmte Person ausgeführt werden soll.
Das OLG Karlsruhe hat entschieden, dass eine Testamentsvollstreckung auch wirksam angeordnet werden kann, wenn die Erblasserin dies handschriftlich auf einem verschlossenen Briefumschlag notiert. Es sei der Testierwille der Erblasserin gegeben, so das OLG Karlsruhe, da sie die Umschläge auch mit einer genauen Zeitangabe versehen hatte und dem Testamentsvollstrecker das Kuvert ausgehändigt hatte. Auch die Formvorschrift des § 2247 BGB sei eingehalten.
Das OLG Karlsruhe hat dem Umstand Rechnung getragen, dass es bei Testamenten allein auf den subjektiven Willen des Erblassers und dem von Gesetzes wegen zu beachtenden Formvorschriften ankommt, um eine letztwillige Verfügung wirksam sein zu lassen.

OLG Karlsruhe, Beschl. v. 26.03.2010 – 14 Wx 30/09
Tanja Stier
Rechtsanwältin

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Das Behindertentestament

Wenn Eltern ihr behindertes Kind in einer letztwilligen Verfügung bedenken möchten, müssen sie etwaige Ansprüche des Kindes auf Sozialleistungen mitberücksichtigen. Denn staatliche Unterstützung erhält nur, wer eine entsprechende finanzielle Bedürftigkeit nachweisen kann. Erlangt nun das Kind durch die Erbschaft Vermögenswerte, können Sozialleistungen solange verweigert werden, bis das betreffende Vermögen für die Lebensführung verwendet und verbraucht worden ist. Das Ziel der Verfügung muss daher sein, dem erbenden Kind die volle staatliche Unterstützung zu erhalten, ohne dass dabei das ererbte Vermögen eingesetzt werden muss. Dies kann durch die Abfassung eines Behindertentestaments erreicht werden.

Einkommens- und vermögensabhängige Sozialleistungen werden unter der Voraussetzung gewährt, dass gewisse Schonbeträge nicht überschritten werden. Überschreiten Einkünfte oder Vermögen des Leistungsempfängers die Schonbeträge, so werden Leistungen gekürzt oder verweigert. Dem kann Rechnung getragen werden, indem in dem Testament zum einen die Vor- und Nacherbfolge und zum anderen die Dauertestamentsvollstreckung angeordnet werden.

Die Anordnung der Vor- und Nacherbfolge erlaubt es dem Erblasser, das behinderte Kind als Vorerben einzusetzen. Als solcher ist es in seinem Verfügungsrecht über Nachlassgegenstände, insbesondere Immobilien, beschränkt. Durch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers wiederum kann der direkte pfändbare Zugriff des Behinderten- und damit auch der Zugriff etwaiger Gläubiger- auf den Nachlass verhindert werden. Der Testamentsvollstrecker kann dann die Sorge für den Behinderten übernehmen und ihm Gegenstände aus dem Nachlass in dem Unfang zuwenden, den das Sozialrecht nach den Bestimmungen über das Schonvermögen zulässt.
Dabei ist zunächst genau zu bedenken, wer als Testamentsvollstrecker in Frage kommt. Auch sollte in dem Testament definiert werden, welche Gegenstände dem Kind vom Dauertestamentsvollstrecker zugewendet werden dürfen und zu welchem Zweck.

Da aber damit ein staatlicher Zugriff auf den Nachlass verhindert wird und gleichzeitig das Kind die vollen Sozialleistungen erhält, wurde vielfach die Frage gestellt, ob diese Konstruktion nicht sittenwidrig sei, da die Bedürftigkeit ja aufgrund der Erbschaft gerade nicht bestehe, sondern nur durch die geschickte Wahl der erbrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten herbeigeführt werde. Die Allgemeinheit müsse damit als Solidargemeinschaft für jemanden einstehen, der anderweitig abgesichert sei.

Der Bundesgerichtshof hat sich hierzu in einem Urteil vom 20.10.1993 (IV ZR 231/92) geäußert. Danach ist ein Testament, durch das ein behindertes Kind als Vorerbe eingesetzt wird, wobei dessen Ansprüche auf Sozialleistungen voll erhalten bleiben und das nach dem Tod des Vorerben ein weiteres Kind als Schlusserben für den gesamten Nachlass vorsieht, nicht sittenwidrig, auch wenn der Sozialhilfeträger hier keine Möglichkeit hat, auf die vererbten Vermögenswerte zuzugreifen.

Damit ist das Behindertentestament für die beschriebene Fallkonstellation eine sachgerechte Gestaltungsform. Aufgrund des Ineinandergreifens von Sozial- und Erbrecht und der vielen komplexen Rechtsfragen, die sich beim Abfassen eines solchen Testaments stellen können, ist dabei eine anwaltliche Beratung aber unbedingt zu empfehlen.

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Verjährung des Rechnungslegungsanspruches gegen den Testamentsvollstrecker

Die in § 197 Abs. 1 Nr. 2 BGB 30- jährige Verjährungsfrist gilt für alle Ansprüche aus dem 5. Buch „Erbrecht“ des BGB, soweit nichts anderes bestimmt ist.
Unter den § 197 Abs.1  Nr. 2 BGB fallen deshalb auch des Ansprüche des Erben gegenüber dem Testamentsvollstrecker auf Rechnungslegung und Auskunft. Unter den Begriff „erbrechtliche Ansprüche“, der in  § 197 Abs. 1 Nr.2 BGB verwendet wird, fallen alle Ansprüche, die sich aus dem 5. Buch des BGB ergeben.

BGH , Urt. v. 18.04.2007 – IV ZR 279/05
Tanja Stier
Rechtsanwältin

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Die Verwertbarkeit von Vermögen im Sinne des SGB XII

Mit Verwertbarkeit des Vermögens im Sinne des § 90 SGB XII ist nicht nur die Veräußerung von Veräußerung gemeint, vielmehr fällt unter diesen Begriff jede Art der finanziellen Nutzbarkeit. Die Verwertbarkeit ist dann zu verneinen, wenn ein tatsächliches oder rechtliches Hindernis vorliegt oder eine Verwertung in wirtschaftlicher Hinsicht ausscheidet. Steht das ererbte Vermögen beispielsweise unter Testamentsvollstreckung und ist im Testament angeordnet, dass der Testamentsvollstrecker monatlich nur den Reinertrag des Vermögens an den Erben auszahlen darf und Sonderzahlungen nur möglich sind, soweit sie der beruflichen Ausbildung oder Fortbildung des Erben dienen, so liegt steht der Verwertbarkeit des Vermögens ein rechtliches Hindernis entgegen.
Tanja Stier
Rechtsanwältin

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Beendigung der Testamentsvollstreckung nach Entlassung des benannten Testamentsvollstreckers

Oftmals ist der Testamentsvollstrecker in letztwilligen Verfügungen namentlich benannt. Fällt nun dieser namentlich benannte Testamentsvollstrecker weg, so bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Testamentsvollstreckung gänzlich wegfällt. Die Testamentsvollstreckung ist dann nicht im Ganzen beendet, wenn der Erblasser eine Ersatzberufung verfügt hat, einen bestimmungsberechtigten  Dritten benannt hat, ein Ersuchen an das Nachlassgericht verfügt hat oder eine Ermächtigung zur Ernennung eines Nachfolgers verfügt hat. Dies muss jedoch nicht wörtlich im Testament niedergeschrieben sein. Vielmehr muss durch Auslegung geprüft werden, ob der Erblasser wollte, dass die Testamentsvollstreckung mit Wegfall des namentlich benannten Testamentsvollstrecker beendet ist oder durch einen Ersatz fortgeführt wird. Hierbei ist insbesondere von besonderer Bedeutung, ob die Person des Testamentsvollstreckers im Vordergrund steht oder die Durchführung der Testamentsvollstreckung. Hierbei können insbesondere auch die Beweggründe des Erblassers für die Anordnung der Testamentsvollstreckung herangezogen werden. Auch muss geklärt werden, ob der Erblasser an diesen Gründen nach Wegfall des bestimmten Testamentsvollstreckers festgehalten hätte. Hierbei handelt es sich jedoch in der Praxis um eine schwierige Abgrenzungsfrage, die lediglich einzelfallbezogen beantwortet werden kann.

Tanja Stier
Rechtsanwältin

 

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Dauertestamentsvollstreckung- schützen Sie Ihr Vermögen

Eine hervorragende Möglichkeit, die Erben vor Vermögensverfall oder vor fehlerhafter Vermögensanlage zu schützen, stellt die Dauertestamentsvollstreckung dar.

Der Erblasser ordnet in einem solchen Fall die Dauertestamentsvollstreckung bezüglich seines Vermögens an. Dies heißt im Klartext, dass die Erben zwar entsprechend dem Willen des Erblassers Vermögensteile oder das ganze Vermögen erben. Sie können allerdings auf Grund der Dauertestamentsvollstreckung selbst über das Vermögen nicht verfügen.

Der Erblasser ordnet in einem solchen Fall an, dass eine Person seines Vertrauens Dauertestamentsvollstrecker wird. Er kann die Dauertestamentsvollstreckung auch so auf die Dauer fixieren, dass der Dauertestamentsvollstrecker wiederum seinen Nachfolger benennen kann. Der Vorteil einer derartigen Dauertestamentsvollstreckung ist offensichtlich. Es besteht keine Gefahr, dass das Vermögen des Erblassers vernichtet wird, weil die Erben nicht in der Lage waren, das Vermögen richtig anzulegen bzw. auf Grund anderer Umstände in Vermögensverfall geraten. Bei einer Dauertestamentsvollstreckung kann eine Pfändung in den Erbteil, der vererbt worden ist, nicht erfolgen, weil der Erbteil, der Erbgegenstand oder auch das ganze Vermögen das vererbt worden ist, letztendlich in der Verfügungsgewalt des Testamentsvollstreckers ist.

Der Vorteil einer derartigen Regelung ist, dass letztendlich der Erblasser dadurch erreicht, dass auf Dauer, wenn er eine entsprechende Anordnung trifft, die Erben von den Erträgen des Vermögens leben können, aber die Substanz nicht angegriffen wird.

Die Stiftung ist gerne bereit, Sie hier unverbindlich zu beraten. Auf Grund der ausreichenden Erfahrung der Mitarbeiter der Stiftung, Mitarbeiten auf diesem Gebiet können wir Ihnen entsprechende Formulierungsvorschläge vorbereiten und auch entsprechende Testamentsvollstrecker, die eine fundierende Erfahrung auf diesem Gebiet haben, benennen.

Prof. Dr. Volker Thieler

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Vermächtnisvollstreckung

Der Erblasser kann im Rahmen der Testamentsvollstreckung eine Abwicklungs-, Verwaltungs- oder Dauertestamentsvollstreckung anordnen. Er kann jedoch auch die Vermächtnisvollstreckung anordnen. Die Vermächtnisvollstreckung richtet sich nach den § 2223 BGB und wird dann angeordnet, wenn die Anordnung eine Untervermächtnisses (§ 2186 BGB), eines Nachvermächtnisses (§ 2191 BGB) oder eine Auflage (§§ 2192 ff. BGB) sichergestellt werden muss. Die Vermächtnisvollstreckung ist jedoch nicht mit dem Fall zu verwechseln, wenn angeordnet wurde, dass zum Aufgabenkreis des Testamentsvollstreckers auch die Verwaltung eines Vermächtnisgegenstandes gehört, der sich beim Vermächtnisnehmer befindet. Hierbei handelt es sich nämlich um eine Bloße Verwaltungsvollstreckung, die von der Vermächtnisvollstreckung streng abzugrenzen ist.
Ist eine Vermächtnisvollstreckung angeordnet, so kann sogar der Alleinerbe, der in der Regel von der Testamentsvollstreckung ausgeschlossen ist, wegen der fehlenden Erbenbeschränkung zum Testamentsvollstrecker ernannt werden.
Tanja Stier
Rechtsanwältin

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Verschweigen von Nachlassbestandteilen durch Testamentsvollstrecker

Ein wichtiger Grund zur Entlassung eines Testamentsvollstreckers im Sinne des § 2227 BGB liegt auch dann vor, wenn der Testamentsvollstrecker einen wesentlichen Bestandteil des Nachlasses nicht in seine Verwaltung aufnimmt un den Erben die Existenz dieses Vermögens verschweigt.

Da ein Testamentsvollstrecker befürchtete, dass ein Nachlassdepot in der Schweiz steuerrechtswidrig angelegt wurde, verschwieg er den Erben die Existenz dieses Depots 25 Jahre lang. Hierin sah das Oberlandesgericht Schleswig einen wichtigen Grund im Sinne des § 2227 BGB zur Entlassung eines Testamentsvollstreckers. Eine wesentlich Pflicht des Testamentsvollstreckers im Verhältnis zu den Erben ist die Erstellung und Übermittlung eines Nachlassverzeichnisses gemäß § 2215 Abs. 1 BGB. Daher wird bei unzulänglicher Auskunft des Testamentsvollstreckers eine Pflichtverletzung angenommen. Wenn das Nachlassverzeichnis bzw. die Auskünfte des Testamentsvollstreckers deshalb falsch sind, weil er dden Erben einen wesentlichen Vermögensbestandteil langfristig verschweigt, stellt dies eine grobe Pflichtverletzung dar. Da er das Schweizer vermögen entgegen § 2205 BGB nicht in seine Verwaltung aufgenommen hat, besteht darin eine weitere wesentliche Pflichtverletzung des Testamentsvollstreckers

Eine unbeschränkte und persönliche Haftung trifft den Testamentsvollstrecker im Falle einer Steuerhinterziehung.

Tanja Stier

Rechtsanwältin

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Miterbe beantragt Entlassung eines Testamentsvollstreckers

Die Erblasserin und ihr vorverstorbener Ehemann errichteten ein privatschriftliches Testament, in dem sie verfügten, dass ihre Söhne zu unterschiedlichen Teilen Schlusserben werden sollten. Der eine Sohn sollte eine Quote von 2/5 erhalten, der andere Sohn eine Quote von 3/5. Der Sohn mit der niedrigeren Quote war zudem mit einer Testamentsvollstreckung belastet worden. Nachdem der Ehemann gestorben war, verfügte die Erblasserin, dass eine andere Person als die bisherige die Testamentsvollstreckung übernehmen sollte. Dieser neu bestimmte Testamentsvollstrecker nahm das Amt auch an. Daraufhin beantragte der Erbe, der nicht mit einer Testamentsvollstreckung belastet worden war, den neu bestimmten Testamentsvollstrecker zu entlassen und einen neuen zu bestimmen.

Diesen Fall entschied kürzlich das OLG Hamm mit Beschluss vom 11.08.2009. Der Senat des OLG Hamm entschied insbesondere, dass der nicht mit einer Testamentsvollstreckung belastete Miterbe beschwerdebefugt ist. Selbst der Pflichtteilsberechtigte sei wegen der ihm unentziehbaren Mindestbeteiligung am Nachlass insoweit antragsberechtigt. Daraus lässt sich ableiten, dass dem vollstreckungsfreien Miterben, der sogar eine dingliche Mitberechtigung am Nachlass und dementsprechend eine stärkere Rechtsposition innehat, erst recht ein Antragsrecht zustehen muss. Der Entlassungsantrag sei jedoch nur dann gerechtfertigt, wenn die rechtlichen Interessen durch die Art und Weise der Ausübung der Testamentsvollstreckung beeinträchtigt sind.

Ein insofern darzulegender wichtiger Grund im Sinne des § 2227 Abs. 1 BGB muss in einem pflichtwidrigen Verhalten des Testamentsvollstreckers liegen. Durch dieses pflichtwidrige Verhalten muss es zu einer nachhaltigen Gefährdung der Rechte des vollstreckungsfreien Miterben bei der Verwaltung und Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft kommen. Dies gilt auch dann, wenn ein Testamentsvollstrecker eine sachliche Anfrage nicht zeitnah beantwortet. Damit legt das OLG Hamm auch fest, dass künftig die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft schneller erfolgen kann.

Tanja Stier
Rechtsanwältin

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Testamentsvollstreckung und elterliche Sorge

Der Erblasser kann verfügen, dass die von ihm zum Erben berufene Person ihre Rechte hinsichtlich des Nachlassvermögens gar nicht oder nicht in vollem Umfang selbst ausüben darf. Die Befugnis, diese Rechte wahrzunehmen, wird dann dem so genannten Testamentsvollstrecker übertragen. Der Erbe bleibt somit lediglich Inhaber der Rechte am Nachlassvermögen, ohne diese ausüben zu dürfen. In diesem Fall wird das Nachlassvermögen von dem sonstigen Vermögen des Erben von Rechts wegen abgesondert. Der Testamentsvollstrecker hat dabei die Stellung eines Treuhänders, er ist nicht Vertreter oder Beauftragter des Erblassers und auch nicht Vertreter des Erben. Er übt vielmehr das Amt des Erblassers aus eigenem Recht gemäß dem letzten Willen des Erblassers und entsprechend den gesetzlichen Vorschriften aus.
Probleme ergeben sich, wenn das Amt des Testamentsvollstreckers mit der Stellung als gesetzlicher Vertreter des Erben, insbesondere aufgrund der elterlichen Sorge für die eigenen Kinder, zusammenfällt. Denn es stellt sich hier die Frage, ob der Testamentsvollstrecker die Vermögenssorge für das ererbte Vermögen wahrnehmen kann, wenn er gleichzeitig auf Seiten des Erben als dessen gesetzlicher Vertreter handeln muss, er also rechtlich auf beiden Seiten steht. Dann könnte ein so genanntes Insichgeschäft vorliegen, bei dem die Gefahr besteht, dass die Interessen des Kindes nicht angemessen berücksichtigt werden. Der Schutz der Minderjährigen könnte es in solchen Fällen verlangen, dass auf der Seite der Minderjährigen nicht die Eltern, sondern eigens gerichtlich bestellte Ergänzungspfleger handeln. Diese vertreten dann die Kinder gegenüber den Eltern.

Über einen so gelagerten Fall hatte der BGH in einem Beschluss vom 05.03.2008 (XII ZB 2/07 = BeckRS 2008, 08468) zu entscheiden. Der Erblasser hatte in seinem Testament verfügt, dass sein minderjähriger Enkel Alleinerbe sein sollte. Die Tochter, also die Mutter des Enkels, war von der Verwaltung des vererbten Vermögens ausgeschlossen. Zum Testamentsvollstrecker war der von der Mutter geschiedene Vater des Enkels eingesetzt. Zum Nachlass gehörten unter anderem auch Kommanditbeteiligungen, wobei der Vater des Alleinerben der Geschäftsführer der Komplementärgesellschaften und Kommanditist ist. Die übergangene Mutter regte beim Familiengericht eine Ergänzungspflegschaft an, die auch gem. § 1909 Abs. 1 BGB angeordnet wurde. Begründet wurde diese Ergänzungspflegschaft damit, dass der Vater die Vermögenssorge für den minderjährigen Enkel nicht wahrnehmen könne, da er selbst Geschäftsführer der Komplementärgesellschaften sowie Kommanditist der vererbten Kommanditbeteiligungen sei. Dem widersprach jedoch der BGH.

Denn ein Interessenkonflikt durch ein Insichgeschäft des Testamentsvollstreckers kann sich nur ergeben, wenn der Testamentsvollstrecker tatsächlich oder vorhersehbar Rechtsgeschäfte mit dem Minderjährigen als dessen Vertreter zu tätigen hat. Da aber der Testamentsvollstrecker im Regelfall –wie auch hier- nur mit der Regulierung der etwaigen Verbindlichkeiten des Nachlasses und dessen Verwaltung beauftragt ist, sind gar keine Rechtsgeschäfte direkt mit dem Erben erforderlich. Da der Minderjährige durch die Anordnung der Testamentsvollstreckung an der Geltendmachung seiner Rechte an dem Nachlass ohnehin gehindert ist, was auch für die Kommanditbeteiligungen gilt, kann er auch diesbezüglich keine Rechtsgeschäfte vornehmen. Damit kann er von dem Vater auch bei keinem Rechtsgeschäft gesetzlich vertreten werden. Wenn also der Vater Rechte aus den Kommanditbeteiligungen des Erben wahrnimmt, so kann er dies nur als Testamentsvollstrecker, nicht aber als gesetzlicher Vertreter des Erben tun. Problematisch ist dies nur im Rahmen der Testamentsvollstreckung selbst, da der Vater gleichzeitig Mitgesellschafter des Erben und Geschäftsführer der Komplementärgesellschaften ist. Das Problem einer gesetzlichen Vertretung des Erben stellt sich aber gar nicht.

Aus dem Umstand, dass der Vater den Nachlass zugleich als Testamentsvollstrecker und gesetzlicher Vertreter des Erben verwaltet, ergibt sich auch kein anderweitiger Interessengegensatz. Dieser könnte zwar darin bestehen, dass der Vater als Testamentsvollstrecker gegenüber dem Erben bestimmte Pflichten hat, deren Erfüllung im konkreten Fall wiederum durch den Vater als gesetzlichen Vertreter des Erben verlangt werden müsste. Allerdings ist nach Auffassung des BGH das Vorliegen eines solchen Interessengegensatzes nicht nach generalisierenden, abstrakten Gesichtspunkten losgelöst vom Einzelfall zu bestimmen. Vielmehr muss festgestellt werden, dass gerade aufgrund der individuellen Umstände, insbesondere der persönlichen Beziehungen der Beteiligten zueinander, tatsächlich die Gefahr besteht, dass die Belange des Minderjährigen als Erbe nicht hinreichend berücksichtigt werden. Ist dies- wie im vorliegenden Fall- nicht zu befürchten, so ist eine Ergänzungspflegschaft entbehrlich. Der Testamentsvollstrecker kann dann gleichzeitig auch als gesetzlicher Vertreter des Erben handeln.

Tanja Stier
Rechtsanwälti

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Testamentsvollstreckung: Vorteile

termin.jpgDer Einsatz eines Testamentsvollstreckers bietet einige Vorteile. Zum einen wird durch die Mitwirkung eines Testamentsvollstreckers die Auseinandersetzung des Nachlasses gerade bei mehreren Erben vereinfacht. Weiterhin kann der Bestand des Nachlasses gerade bei Unternehme vor geschäftsunerfahrenen oder ungeeigneten Erben geschützt werden. Auch bei minderjährigen Erben kann der Einsatz eines Testamentsvollstreckers von Vorteil sein, damit ein Schutz vor Eingriffe durch den gesetzlichen Vertreter in den Nachlass gewährleistet werden kann.
Beim Einsatz eines Testamentsvollstreckers wird das Nachlassvermögen auch vor Gläubigern der Erben geschützt. Diese können sich gem. § 2214 BGB nicht an die der Testamentsvollstreckung unterworfenen Nachlassgegenstände halten. Auch kann der Testamentsvollstrecker die Erfüllung von Vermächtnissen und Auflagen sicherstellen.

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Testamentsvollstreckung: Nachteile

termin.jpgWenn auch die Vorteile deutlich überwiegen, kann die Testamentsvollstreckung auch Nachteile mit sich bringen. So kann den Erben durch die weitreichenden Befugnisse des Testaments die Kontrolle über den Nachlass gänzlich entzogen werden. Weiterhin beginnt das Amt des Testamentsvollstreckers erst mit dem Zeitpunkt, en welchem dieser das Amt annimmt. Hierbei kann viel Zeit vergehen. Das Nachlassgericht kann unnötigen Zeitverlust allerdings durch eine Fristsetzung vermeiden.
 

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Testamentsvollstreckung und Vorsorgevollmacht

Vorsorgevollmacht.jpgKraft Gesetz stehen dem Testamentsvollstrecker bezüglich des Vermögens des Verstorbenen nur eingeschränkt Befugnisse zu. So kann er grundsätzlich keine unentgeltlichen Verfügungen vornehmen wie etwa eine Schenkung. Weiterhin ist er auf Geschäfte beschränkt, die der ordnungsgemäßen Verwaltung des Nachlasses dienen. Daher kann durchaus sinnvoll sein, den Testamentsvollstrecker zusätzlich mit einer Vorsorgevollmacht auszustatten, welche über den Tod hinausgeht.
Würde die postmortale Vorsorgevollmacht einer anderen Person übertragen, kann die Befugnisaufteilung bezüglich des Nachlasses problematisch werden. Es empfiehlt sich, in der Vollmacht deutlich zu machen, welche Rechte am Nachlass nach Tod des Vollmachtgebers noch beim Bevollmächtigten verbleiben und welche ausschließlich dem Testamentsvollstrecker zustehen.

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